Beschluss der Naturfreundejugend NRW: "Klimawende-Energiewende"

Leitantrag L1: „Klimawende – Energiewende“ Die Menschen sind sich einig; der Klimawandel ist menschengemacht und wird immer mehr zu einem Problem für die Menschheit. Eine tiefgreifende Umgestaltung der globalen Wirtschafts- und Klimapolitik ist nötig. Wir brauchen eine Wende in unserer Art der Energiegewinnung und in der Herstellung von Konsumgütern.. Nur so kann der Klimawandel noch gestoppt werden.

Klimawende für wen?
Um den Ausstoß von Treibhausgasen einzudämmen, braucht es einen transformativen und nachhaltigen Umbau des Energiesektors auf sozialer Basis, die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft sowie eine Umgestaltung des Verkehrssektors weg vom fossilen Individualverkehr, hin zu einem flächendeckenden und günstigen öffentlichen Nahverkehr.

Diese notwendigen Schritte hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft erfordern größere öffentliche Investitionen. Investitionen die mit dem Reichtum Deutschlands leicht getätigt werden können, denn in Deutschland gibt es so viel Reichtum wie nie zuvor. Das Vermögen muss nur endlich vernünftig verteilt und gerecht für jede*n eingesetzt werden. Durch eine höhere Besteuerung der Gewinne und Vermögen der meist umweltschädlichen Großindustrien und Unternehmen, ist ein sozialökologischer Umbau der Gesellschaft tatsächlich machbar. Davon wird die gesamte Gesellschaft und im Besonderen alle kommenden Generationen sowie die sozial benachteiligtesten profitieren.[1]

Der Klimawandel - wo kommt er her?

Die Sonnenstrahlung wird von der Erde nur teilweise ins All reflektiert, weil die Erdatmosphäre mit Wasserdampf, CO2 und anderen Spurengasen wie ein Glashaus wirkt. Dieser sogenannte natürliche Treibhauseffekt war schon immer vorhanden und ist Grundlage für die Entwicklung von Leben auf der Erde, denn er speichert die Wärme auf der Erde und verhindert ein Einfrieren des Planeten. Eine erhöhte Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre führt aber zu einer deutlich signifikanten Erwärmung der Erde und damit zu einem Wandel des Klimas.

Auch wenn ein natürlicher Treibhauseffekt schon immer existierte, verursacht der Mensch besonders seit der Industrialisierung insbesondere durch die Gewinnung und Verbrennung fossiler Rohstoffe, wie Erdöl und Kohle, einen menschengemachten Treibhauseffekt, welcher insbesondere durch das hierbei frei werdende CO2 den natürlichen Effekt drastisch verstärkt..[2]

Wenn die Menschheit, insbesondere in den Industrie- und Schwellenländern ihren Treibhausgasausstoß nicht drastisch senkt, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um weitere vier bis fünf Grad steigen. Das hätte katastrophale globale Folgen: Artensterben, der Anstieg des Meeresspiegels welcher zum Versinken ganzer Inseln führt und verheerende Dürren sind nur einige Beispiele.

Klimaforscher*innen gehen davon aus, dass bis zu 90 % des menschlichen Treibhauseffektes auf Wasserdampf und Kohlenstoffdioxid beruht. Methan und Ozon schlagen zusammen mit 7-15 % zu Buche. Wasserdampf in der Atmosphäre kommt im relevanten Ausmaß nur über globale Temperaturerhöhung zu Stande und ist somit nicht direkt von Menschen verursacht, bzw. kann als Faktor nicht direkt vom Menschen beeinflusst werden. Das macht CO² zum wichtigsten Faktor im anthropogenen Klimawandel. Die größten Verursacher von CO2, sind die die Stromproduktion und die Metallverarbeitung. Diesen Industrien müssen wir Regeln setzen, die das Fortbestehen der Menschheit auf diesem Planeten gewährleisten.[3]

Noch immer erfolgt die Energiegewinnung in Deutschland zu über 50 % aus den fossilen Ressourcen Kohle, Gas und Erdöl. Auch die gefährliche aber einträchtige Atomenergie nimmt in Deutschland einen Anteil von 12 % ein. Obwohl erneuerbare Energien sich in Deutschland auf dem Vormarsch befinden, machen sie erst rund ein Drittel der gesamten Stromgewinnung des Landes aus.[4]

Für einen wirksamen Klimaschutz brauchen wir:

  • Ausbau CO²-armer Energiegewinnung
  • Eine globale Kontrolle der metallverarbeitenden Industrien

An der Wurzel packen

  • Die Förderung und Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl ist der Hauptgrund für den anthropogenen (menschengemachten) Anstieg der CO2-Konzentration
  • Entwaldung ist eine weitere Ursache: früher zusammenhängende Tropenwälder haben ganz andere Kapazitäten zur Bindung von CO2 besessen [5]
  • Zusätzlich werden große Mengen gebundenes CO2 in tauenden Permafrostböden freigesetzt
  • Das Gas Methan verfügt über einen sehr hohen Wirkungsgrad auf die Atmosphäre (etwa 21 bis 25-mal so wirksam wie CO2) und nimmt hierdurch mit rund 20 % Anteil einen wichtigen Teil des anthropogenen Treibhauseffekts ein. Methan besitzt jedoch eine deutlich kürzere Verweilzeit (9 – 15 Jahren) in der Atmosphäre als CO2, welches bis zu 120 Jahre in der Atmosphäre bleibt.[6] Von der weltweit anthropogen emittierten Methanmenge können etwa bis zu 37 % direkt oder indirekt der landwirtschaftlichen Viehhaltung zugewiesen werden
  • In Deutschland stammten nach Angaben des Umweltbundesamts 2013 rund 54 Prozent der gesamten Methanemissionen und über 77 Prozent der Lachgasemissionen aus der Landwirtschaft.[7]

Deswegen brauchen wir

  • Ausbau der Elektromobilität
  • Einen sozialverträglichen Kohleausstieg bis spätestens 2030
  • Die Umwandlung von natürlich auftretender Energie aus Sonne, Wind und Wasser muss effizienter gestaltet und ausgebaut werden
  • Begrenzung der Haltung und Züchtung von Tieren in der Landwirtschaft

Energie- und Klimapolitik für wen?

Kurzfristige Profite für Energiekonzerne dürfen nicht Kriterium für die Gestaltung unserer Energiepolitik sein. Solange noch ein Sechstel des Bundeshaushaltes Deutschlands für umweltschädliche Subventionen ausgegeben werden; solange sich Großunternehmen auf saftige Absätze aus fossiler Energiegewinnung freuen können; solange Kriege und die Rüstungsproduktion Mensch und Umwelt nachhaltig schädigen, können wir die Klimapolitik dieses Landes nicht akzeptieren! Menschen in ärmeren Vierteln und ärmeren Regionen der Welt sind von den Auswirkungen des Klimawandels, aber auch durch Luft-, Land- und Wasserverschmutzung besonders intensiv betroffen. Gerechtigkeit ist also nicht nur eine soziale, sondern auch eine ökologische Frage.[8]

Die grundsätzliche Notwendigkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien und der Steigerung der Energieeffizienz sind unumstritten. Die konkreten politischen Maßnahmen sind jedoch schon. Die öffentliche Diskussion reduziert den Begriff der Energiewende häufig auf die Einschränkung des privaten Stromverbrauches, welcher in Deutschland jedoch nur rund 20 % des Energieverbrauchs umfasst und über ausgestoßene Emissionen noch gar keinen Aufschluss gibt. [9]


Wer zahlt?
In Deutschland belaufen sich quantifizierbaren Subventionen für fossile Energieträger auf 42,3 Milliarden Euro im Jahr. Die erschreckend hohe Summe geht zur Hälfte in die Subventionierung von Stromabnehmern (80% Industrie, 20% Privat) und zur anderen Hälfte an die Stromerzeuger. Der Internationale Währungsfond schätzt die Summe aller direkten und indirekten Investitionen in fossilen Energiesektor auf gut das Neunfache des amtlichen Betrages, nämlich auf 55 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015. [10]

Große Produzenten werden mehrfach bevorzugt, durch Subventionen aber auch durch Steuervorteile und Extratarife: Die Strompreise hängen vor allem von der Bezugsmenge ab. Großabnehmer (ab 70.000 MWh) zahlten 2007 im Schnitt 6,6 ct/kWh (zuzüglich 4,5 ct/kWh Steuern und Abgaben). Das ergibt einen Gesamtpreis von 11,1 ct/kWh. Ein Haushalt mittlerer Größe in Deutschland verbrauchte 2008 jährlich etwa 3500 kWh und bezahlte dafür 12,98 ct/kWh an den Stromlieferanten. Dazu kamen 8,67 ct/kWh Abgaben und Steuern, also ein Gesamtpreis 21,65 ct/kWh. Also fast doppelt so viel. [11]

Energie morgen
Ein völlig anderes Verhältnis von Mensch und Natur kann entstehen, wenn die Mittel der Produktion nicht mehr in den Händen Einzelner, sondern in denen der Gesellschaft als Ganzes liegen. Denn die Produktion dient dann den Bedürfnissen aller Menschen und nicht dem Profit einer kleinen Minderheit. Wenn Produktion demokratisch geplant wird, unterliegt sie nicht mehr nur kurzfristigen Zwecken. Denn die Gesellschaft als ganze und jeder und jede Einzelne, hat selbstverständlich ein Interesse an ihrem und seinem langfristigen Überleben und somit an einer nachhaltigen Produktion. Produktion und Ressourcenverbrauch unterlägen also einer vernünftigen – und das bedeutet auch: einer nachhaltigen –, an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Planung.

Forderungen
Deutschland muss die im Pariser Abkommen skizzierten Klimaziele erfüllen: der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur darf 1,5° Celsius nicht übersteigen. Der „Klimaschutzplan 2050“ der Bundesregierung ist dafür nicht ausreichend! Wir brauchen ein Klimaschutzgesetz, welches die Energiewende in arbeiter*innen- und konsument*innenfreundliche Bahnen lenkt und einen Anteil der erneuerbaren Energien von mindestens 75 Prozent bis 2030 garantiert.[12]

Deshalb brauchen wir

  • Schrittweisen Austritt aus der Energiegewinnung durch Gas und Öl
  • Stopp der Subventionen für Energiekonzerne
  • Finanzierungshilfen globaler Aufforstungsprogramme
  • Kostenlosen und ausgebauten ÖPNV
  • Ausschließlich Elektromobile im öffentlichen Dienst
  • Schrittweise Umrüstung der Automobilindustrie
  • Tempolimit 130 auf den Autobahnen
  • Reduktion weiterer Treibhausgase durch Müllvermeidung und Produktionsverbote klimaschädlicher Konsumgüter

[1] www.bundjugend.de/reichtum-umverteilen-fuer-klima-und-umweltschutz/

[2] www.greenpeace.de/themen/klimawandel

[3] physik.cosmos-indirekt.de/Physik-Schule/Treibhauseffekt

[4] www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/erneuerbare-energien.html

[5] cdiac.ess-dive.lbl.gov/pns/doers/doer34/doer34.htm

[6] www.skepticalscience.com/arg_co2-kurze-Verweildauer.htm

[7] de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid_in_der_Erdatmosph%C3%A4re

[8] www.bundjugend.de/reichtum-umverteilen-fuer-klima-und-umweltschutz/

[9] de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare_Energien

[10] www.foes.de/pdf/2017-05-FOES-Studie-Subventionen-fossile-Energien-Deutschland.pdf

[11] de.wikipedia.org/wiki/Stromerzeugung

[12] www.naturfreunde.de/sites/default/files/attachments/klima_massnahmenprogramm_2030.pdf